Experimentelle  Musikwissenschaft 

Steffen Alexander Schmidt

Von dem einen musikalischen Rhythmus zu sprechen, der alle Phänomene auf eine einheitliche Formel bringen würde, dürfte ein ideologisches Unterfangen sein. Allein auf mess- und zählbare Einheiten zu verweisen, indem auf den griechischen Ursprung des Gliederns verwiesen wird, erscheint reduziert.¹
Das Denken und Praktizieren von Rhythmus setzt sich zusammen aus theoretischen Modellen, ästhetischen Vorentscheidungen, aus historischen Prozessen. Allein die drei Stränge, die den musikalischen Rhythmus im Abendland massgeblich bestimmten, lassen sich in ihrer Geschichte kaum auf einen Nenner bringen. Dabei war als erster Strang die mathematische Proportionslehre der Intervalle (Pythagoras) stets eher auf Grössenverhältnisse gerichtet als auf zeitliche Prozesse. Das mag ein Grund sein, warum im Rhythmus die Tendenz vorherrscht, zeitliche Phänomene zu verräumlichen, ein Denken, das erst durch Bergsons „Erlebniszeit“ ernsthaft in Frage gestellt wurde.²
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¹ Vgl. die neueren Publikationen von Petersen und Götte (s. Lit.)
² Henri Bergson: Zeit und Freiheit. (1888). Frankfurt / M 1989

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